Prägepressen
Eine Prägepresse trägt keine Farbe auf. Sie presst das Papier zwischen zwei zueinander passenden Werkzeugen – einem erhabenen und einem vertieften Teil – und verformt es dabei dauerhaft. Übrig bleibt ein farbloses Relief, das man im Streiflicht sieht und mit dem Finger fühlt. Fachsprachlich heißt das Blindprägung oder Trockensiegel.
Wo Blindprägungen eingesetzt werden
Klassische Einsatzfelder sind Urkunden, Zeugnisse und Bescheinigungen, Mitgliedsausweise von Vereinen und Verbänden sowie Unterlagen von Kanzleien und Büros. Amtssiegel sind davon zu unterscheiden: Für Dienst- und Amtssiegel, etwa von Notarinnen und Notaren oder von Behörden, gelten eigene Regelungen, und Hoheitszeichen dürfen nicht in einen frei bestellbaren Prägeeinsatz übernommen werden. Auch in der Buchprägung ist das Verfahren verbreitet, etwa für Exlibris und Eigentumsvermerke. Der Reiz liegt in der Haptik: Auf einer Fotokopie oder einem Scan gibt eine Prägung nur einen schwachen Umriss wieder, das Relief selbst lässt sich so nicht wiedergeben.
Handprägezange oder Tischmodell
Die Handprägezange wird wie eine große Bürolochzange bedient. Sie ist mobil, lässt sich in der Schublade verwahren und eignet sich für Papierstärken bis rund 200 g/m². Die Tischprägepresse als Standmodell bringt über den längeren Hebel deutlich mehr Kraft auf. Sie ist die Wahl für dickere Papiere, Karton und höhere Stückzahlen, weil das Prägen weniger Kraftaufwand verlangt.
Austauschbare Prägeeinsätze
Das Motiv sitzt nicht fest im Gerät, sondern in einem Einsatz, der sich wechseln lässt. Üblich sind runde Einsätze mit 41 oder 51 mm Durchmesser. Das bedeutet: Ändert sich Ihr Name, Ihre Anschrift oder Ihr Logo, tauschen Sie nur den Einsatz. Eine Organisation mit mehreren Abteilungen kann sich so mehrere Motive für ein Gerät fertigen lassen.
Farbige Prägung mit Etiketten
Wenn die Prägung sichtbarer sein soll, arbeiten Sie mit selbstklebenden Prägeetiketten in Gold oder Silber. Sie werden auf die vorgesehene Stelle geklebt und anschließend überprägt. Das Relief bildet sich dann im Etikett ab und hebt sich farblich vom Papier ab – eine gebräuchliche Lösung für Urkunden und Ehrungen.
Motiv und Papier
Für Prägungen gilt: Weniger Details bringen ein klareres Ergebnis. Kräftige Konturen, Großbuchstaben und ein umlaufender Ring lassen sich sauber ausformen, sehr feine Linien und Rasterflächen dagegen kaum. Beim Papier führen glatte, nicht zu dünne Sorten zu den besten Abdrücken; sehr dünnes Papier kann bei starkem Druck einreißen.
Typischer Motivaufbau
Bei den üblichen runden Einsätzen bewährt sich der Siegelaufbau: ein umlaufender Ring als Begrenzung, darin ein Bogentext mit Name oder Bezeichnung, in der Mitte ein Kürzel, ein Ort oder ein einfaches Signet. Halten Sie zwischen Ring und Schrift genügend Abstand – im Relief wirken Elemente optisch näher beieinander als in der flachen Vorlage.
Was eine Prägepresse nicht leistet
Ehrlich eingeordnet: Für Massenanwendungen ist das Verfahren nicht gedacht. Jeder Abdruck verlangt Kraft und exaktes Anlegen des Blatts, und bei dünnem Papier bleibt das Relief flach. Wer Belege in großer Zahl kennzeichnen will, fährt mit einem Stempel besser. Die Prägung lohnt dort, wo ein Dokument wertig wirken soll und der Abdruck zum Anfassen sein darf – bei Urkunden, Ehrungen und Bescheinigungen.